Hebräer 11 spricht über den Glauben der Väter. Abel, Henoch, Noah, Abraham, Mose und viele andere haben durch Glauben ein gutes Zeugnis erlangt. Gott hat für sie bezeugt, dass sie ihm wohlgefallen haben. In Hebräer 12 werden sie dann zu dieser großen „Wolke von Zeugen“.
Doch der Glaube, von dem Hebräer 11 redet, ist nicht nur der anfängliche Glaube. Jesus ist der Anfänger und Vollender des Glaubens. Der Hebräerbrief redet nicht nur vom Anfang, sondern von der Vollendung. Unser Glaube soll also wachsen und zur Vollendung kommen.
Glaube für meinen Bedarf?
Wenn wir an Glauben denken, denken wir sehr oft zuerst an unseren persönlichen Bedarf: „Ich brauche etwas, also muss ich glauben.“ Ich mache mir Sorgen, ob ich die Prüfung schaffe, also glaube ich, dass der Herr mir hilft. Ich habe ein Vorstellungsgespräch oder ein Problem und brauche Glauben dafür.
Das ist nicht falsch. Natürlich dürfen und sollen wir den Herrn auch in unserem persönlichen Leben erfahren. Auch dieser Glaube hat seinen Platz.
Aber in Hebräer 11 geht es um mehr als nur um unseren persönlichen Bedarf. Es geht darum, dass Gott auf dieser Erde seinen Plan und Vorsatz erfüllen möchte.
Glaube für Gottes Vorsatz
Schauen wir uns die Beispiele in Hebräer 11 an.
Abel hat den Glauben nicht für seine eigene Sache eingesetzt, sondern für die Anbetung Gottes. Er wusste: Gott möchte von mir ein Lamm haben. Er brachte Gott dieses Opfer dar und wurde dafür sogar verfolgt und getötet.
Henoch wandelte mit Gott. Er tat Gottes Willen und darin erfuhr er den Glauben.
Noah bekam von Gott die Weisung, eine Arche zu bauen. Er sah noch nicht, was kommen würde, aber er glaubte Gott und baute die Arche. Das war für Gottes Plan und Vorsatz.
Genau das ist der Punkt: Sehr oft benutzen wir den Glauben für unseren persönlichen Bedarf, aber nur wenig für Gottes Bedarf.
Wir glauben: „Herr, hilf mir, dass es mir gut geht. Hilf mir, dass ich die Schule schaffe. Hilf mir bei meiner Arbeit.“ Aber was ist mit Gottes Vorsatz? Was möchte Gott heute tun?
Die Menschen in Hebräer 11 kümmerten sich um Gottes Vorsatz. Wenn wir heute Menschen sein wollen, die sich dafür interessieren, was Gott heute tun möchte, dann brauchen auch wir diese Art von Glauben, um es umzusetzen.
Sie haben auch Leiden erduldet. Es ist eine Sache wegen eigenen Entscheidungen zu leiden, aber Abel wollte Gott ein Opfer darbringen und musste dadurch Verfolgung erleiden und wurde sogar ein Märtyrer. Auch wir erleiden Drangsaal und Schwachheit wenn wir Gottes Willen tun wollen, aber genau dann brauchen wir diesen Glauben Gottes. Durch diesen Glauben erlangen auch wir so ein Zeugnis, wie die alten in Hebr. 11:2. Von Mose steht sogar geschrieben:
²⁴Durch Glauben weigerte sich Mose, als er groß geworden war, ein Sohn der Tochter des Pharao zu heißen; ²⁵er wollte lieber mit dem Volk Gottes misshandelt werden, als den vergänglichen Genuss der Sünde haben, ²⁶(und) achtete die Schmach Christi für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens; denn er sah weg auf die Belohnung.
Hebräer 11:24-26
Wie sieht es mit uns aus? Sind auch wir solche Leute die, wenn Gott es will, Ihm ein Opfer darreichen, egal was über uns gedacht wird oder ob wir deswegen verspottet werden?
Was hat erste Priorität?
Das wird besonders bei Mose deutlich.
Mose hatte menschlich gesehen die besten Voraussetzungen für eine Karriere. Er war im Haus des Pharaos aufgewachsen und hatte eine hervorragende Ausbildung. Vielleicht hätte er sogar Pharao werden können.
Doch Mose setzte seinen Glauben nicht dafür ein, den nächsten Karriereschritt zu schaffen. Er zog es vor, mit dem Volk Gottes misshandelt zu werden, weil Gott ihn für einen Dienst berufen hatte.
Was hat also in unserem Herzen erste Priorität? Unsere Karriere? Unsere Ausbildung? Dass bei uns alles gut läuft?
Natürlich dürfen wir dafür beten. Aber in unserem Bewusstsein und in unserem Herzen darf das Vorstellungsgespräch oder die nächste Prüfung nicht die erste Priorität sein. Wir sind für Gottes Reich hier. Dafür brauchen wir Glauben.
Wenn Gott etwas von uns möchte, dann geht es nicht mehr nur darum, ob wir selbst einen Vorteil davon haben oder ob es uns gefällt. Die Frage ist:
Wie ist es mit Gottes Sache?
Genau darin liegt die Vollendung des Glaubens.
Lebendiger Glaube statt Religion
Aber woher wussten Abel, Noah und die anderen überhaupt, was Gott wollte?
Woher wusste Abel, dass er Gott ein Schaf als Opfer darbringen sollte? Er konnte nicht schnell seine Bibel holen und nachlesen, da es sie noch nicht gab. Es entsprang aus seiner Gemeinschaft mit dem Herrn.
Das zeigt das Geheimnis: Der Glaube ist eine lebendige Beziehung mit dem lebendigen Gott.
Es gibt nicht einfach ein Rezept, nach dem man alles abarbeiten kann. Sobald es nur noch zu einem Rezept wird, wird es Religion. Abel, Noah und Abraham kannten Gott persönlich.
Lebendiger Glaube ist deshalb etwas ganz anderes als bloß religiöses Verhalten. Wenn man Hebräer 11 liest, sieht man: Dieser Glaube ist lebendig. Er hat einen Effekt im Leben.
Darum müssen auch wir lernen, den Herrn zu kennen, sein Sprechen zu hören und darauf zu reagieren.
Denn zu glauben bedeutet nicht nur, an Gott zu glauben, sondern auch, Gott zu glauben – seinen Aussprüchen zu glauben, seinem Plan zu glauben und danach zu handeln.
Und dazu gehört auch, dass wir bereit sind, unser Selbst in den Tod zu geben. Wenn wir heute nicht im Kleinen bereit sind, unser Selbst, unseren alten Menschen und unseren Stolz in den Tod zu geben, wie wollen wir dann einmal unser physisches Leben hingeben, wenn es dazu kommen sollte?
Darum lasst uns beten:
Herr, was möchtest du heute tun? Was möchtest du von mir haben? Und wie kann ich durch den Glauben mit dir zusammenarbeiten, damit dein Vorsatz vorangeht?